Strichpunkt Sustainability Talk #2

Valerie Ludwig, Planetly

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In puncto Klimaschutz überschlagen sich Unternehmen momentan in ehrgeizigen Zielen. Was aber ist an den vollmundigen Ankündigungen dran? Ist der Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen? Valerie Ludwig von Planetly wettet ein paar Tausender darauf. Im SP Sustainability Talk #2 erklärt sie, warum.


Valerie, Mercedes-Benz hat gerade seine CO₂-Ziele nachgeschärft, Amazon will seinen Anteil an Erneuerbaren Energien erhöhen – es hat den Eindruck, als sei momentan unter den Unternehmen ein Klimawettlauf ausgebrochen. Täuscht der Eindruck?
Richtig ist, dass immer mehr Firmen und Marken das Thema hochpriorisieren. Allerdings: Ankündigen, etwas bis 2030 schaffen zu wollen, kann man vieles. Entscheidend ist, was die Firmen bereits in den kommenden Jahren konkret reduzieren. Und da ist definitiv noch Luft nach oben.


„Es ist keine Frage, ob wir das Klima noch drehen können – wir müssen es einfach tun.“

Valerie Ludwig
Planetly




Nenn‘ doch mal ein Beispiel.
Googles Mutterkonzern Alphabet bezeichnet sich seit 2007 als klimaneutral. Und Google ist aus meiner Sicht ein toller Vorreiter für Nachhaltigkeit! Im Alphabet-Nachhaltigkeitsbericht kann man jedoch nachlesen, dass es um die Analyse und den Ausgleich von sogenannten Scope 1- und Scope 2- sowie ausgewählte Scope 3-Emissionen geht, also nur die betrieblichen von Alphabet verursachten Treibhausgase. Wenn wir aber unter einer Erderwärmung von 1.5 Grad bleiben wollen, müssen Unternehmen wie Google ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 über ihre gesamte Lieferkette um 90-95 Prozent reduzieren. Von daher bin ich gespannt, welche Maßnahmen Alphabet in den nächsten Jahren angeht, um das selbsterklärte Ziel, bis 2030 überhaupt keine Emissionen mehr auszustoßen, zu erreichen.

95 Prozent Reduktion sind aber mit ein paar Einsparmaßnahmen nicht zu machen. Das ist ein echter „Game Changer“.
Richtig. Was mir Mut macht: Nach Kalkulationen des Weltklimarates werden wir, wenn alle derzeit gemachten Ankündigungen tatsächlich umgesetzt werden, Mitte des Jahrhunderts bei einer Erderwärmung von etwa 2 Grad Celsius landen. Und ich hoffe einfach mal, dass wir in den Dreißiger und Vierziger Jahren Klimatechnologien entwickeln, von denen wir heute noch nicht einmal etwas ahnen. Darauf dürfen wir uns aber natürlich keinesfalls verlassen.


„Corona hat gezeigt, was wir möglich machen können, wenn’s drauf ankommt. Warum sollte uns das nicht auch beim Klimawandel gelingen?“

Valerie Ludwig,
Planetly




Kurzfristig führt der Krieg in der Ukraine jetzt erst einmal zu einer Renaissance von Kohle und Öl.
Gleichzeitig hat dieser Krieg aber überdeutlich gemacht, dass eine Abhängigkeit von fossilen Energien kein Weg nach vorne ist. Und direkt zuvor hat die Corona-Krise uns auf absurde Weise gezeigt, was wir möglich machen können, wenn es drauf ankommt. Wer hätte es 2019 für möglich gehalten, dass wir unsere Lebensweisen so radikal umstellen wie während der Pandemie? Und warum sollte es uns nicht bei einer wesentlich größeren Herausforderung wie dem Klimaschutz gelingen?

Gute Frage. Was setzt du heute, im Frühjahr 2022, darauf, dass die Menschheit das 1.5 Grad-Ziel nicht reißt?
Nun, ich verbringe den Großteil meiner wachen Zeit damit, dass wir es nicht tun werden. Und es ist keine Frage, ob wir es schaffen können – wir müssen es einfach tun. Insofern bin ich optimistisch und würde durchaus ein paar Tausender auf die Menschheit setzen. Die Frage ist nur: Würdest du wirklich dagegen wetten?


Valerie Ludwig

ist Director of Customer Services Organisation bei Planetly. Das Berliner Tech-Start-up hilft Unternehmen wie Hello Fresh, home24 und Strichpunkt Design, ihren CO₂-Ausstoß zu ermitteln und effizient zu reduzieren. Valerie war als Expertin zu Gast bei der Strichpunkt Online Session „Sustainable Brand Leadership: Wie Marken nachhaltig erfolgreich werden“. Hier geht’s zur Aufzeichnung der Session.