Talking to Maria Einhorn

Maria Einhorn, eine waschechte Berlinerin, hat an der Bauhaus-Universität Weimar visuelle Kommunikation studiert. 2016 ist die Diplomdesignerin als Senior Projektleiterin bei Strichpunkt eingestiegen und mittlerweile zur Director Project Design befördert worden. Klingt ungewöhnlich? Stimmt. Macht aber total Sinn: Maria ist stark inhaltlich getrieben und setzt ihre Leidenschaft für guten Content, Kommunikation und Projektmanagement seit ihrem Studium konsequent ein. Aber nicht nur ihr Background, sondern auch ihre unglaublich offene und positive Art machen sie zur perfekten Schnittstelle zwischen Design & Content, Kundenvorstellungen & Umsetzung. Maria ist Mutter von drei Kindern und hinterfragt hartnäckig gelernte Mechanismen und Rollenmodelle - privat wie beruflich. Angetrieben von Neugier und Optimismus betreut sie bei Strichpunkt unter anderen die Finanzkommunikation von Andritz, den Zalando Nachhaltigkeitsbericht, Employer Branding und Transformations-Projekte. Im Interview erfahrt ihr außerdem, was guten Content ausmacht, wofür Maria unermüdlich kämpft und was Mut für sie bedeutet.

SP: Du bist Diplomdesignerin, hast dich aber Schritt für Schritt in Richtung Projektmanagement mit Schwerpunkt Beratung entwickelt - vermisst du es manchmal selbst in der Gestaltung aktiv zu werden?
Maria: Anfänglich war es schon schwer, dem Reflex, einfach mitzumachen, zu widerstehen. Aber mittlerweile kann ich sagen: Nein – denn nur, weil ich kein Grafikdesign mache, heißt das nicht, dass ich nicht kreativ bin und gestalte. In einem typischen Projektablauf treffen ja erstmal zwei Seiten aufeinander: Die meisten Kunden denken oft an ein fertiges Produkt, wenn sie uns beauftragen. Die Gestalter:innen – von denen wir ja unfassbar gute bei Strichpunkt haben – möchten immer ihr gesamtes Können und Potential im Job ausreizen. Ich verstehe mich hier als Schnittstelle: Ich habe Visuelle Kommunikation studiert und neben dem Design immer auch schon einen starken Fokus auf die Mechanismen von Kommunikation gelegt. Daher kann ich gar nicht anders, als einzusteigen, beide Seiten zu vermitteln und die Projekte sowohl inhaltlich als auch strukturell zu entwickeln. Das mache ich leidenschaftlich gerne. Vor allem in mehrjährigen Kundenbeziehung ist es dann toll zu sehen, was wir als Team realisiert haben.
 
SP: Wie nimmst du die Entwicklung der Finanz- und Nachhaltigkeitskommunikation in den letzten Jahren wahr?
Maria: Beide Bereiche haben lange quasi ein Nischendasein gefristet: Zu festgesetzten Terminen haben Unternehmen – je nach Verpflichtung – reportet und fertig. Gelesen wurde das dann von einer sehr kleinen Zielgruppe. In den letzten Jahren ist hier aber Bewegung reingekommen: Nachhaltige Unternehmensführung ist zum Muss geworden. Unternehmen, die heute nicht transparent über ihre Bemühungen und Fortschritte zur Nachhaltigkeit in Wertschöpfung und Lieferketten, über ihre CO2 Bilanz, Arbeitsbedingungen etc. reporten, sind mittlerweile klar im Nachsehen. Und das nicht nur auf dem Finanzmarkt, auch im B2C-Bereich wird immer mehr auf eine nachhaltige Unternehmensführung geachtet. Das ist natürlich sehr wirkungsvoll und die Strategien der Unternehmen werden dementsprechend angepasst. Die Finanz- und Nachhaltigkeitskommunikation hat also momentan den Job, tatsächliche Kursänderung mit mitunter großen Auswirkungen verkünden zu können. Dafür werden neue spannende Formate entwickelt, die das ganze Jahr durch sehr viele Menschen erreichen.
 
SP: Und was sagst du jemandem, der meint, der Corporate Communications Bereich sei dröge?
Maria: Corporate Communication wird ja gerne als Augenwischerei, per se minderwertig und fremdbestimmt abgetan. Aber: Egal ob Investor:in, NGO, Kund:in oder Mitarbeitende – alle beurteilen ein Unternehmen auf Basis der Kommunikation und zwar sehr kritisch. Ein Unternehmen muss daher genau überlegen, was es kommuniziert. Transparenz und Aufrichtigkeit sind dabei unverzichtbar – schnell kann es sonst in unserer vernetzten Kommunikationslandschaft nach hinten losgehen. Auf Kommunikation verzichten geht aber auch nicht: Informationen zu Transformationen und Strategieanpassungen um Herausforderungen wie Digitalisierung und Klimawandel zu begegnen werden von der Öffentlichkeit verlangt. Eine gute Kommunikation trägt hier nicht nur Fakten nach außen, sondern tritt in Dialog. Sie hilft Unternehmen dabei, sich auszurichten und zu wirken – was ist daran langweilig?
 
SP: Was macht guten Content für dich aus?
Maria: Guten Content zu erkennen, ist leicht: Man bleibt dran, fühlt sich abgeholt und hat einen Erkenntnisgewinn. Aus der Praxis weiß ich aber, dass die Erstellung bei weitem nicht so einfach ist. Die größte Hürde dabei ist die Perspektive: Ausgangspunkt sollten die Empfänger:innen sein, nicht die Absender:innen. Das erfordert zum einen eine fundierte Auseinandersetzung mit den Zielgruppen, zum anderen aber Mut zur Reduktion und zum Fokus, aber auch mal zur Länge und zur Emotionalisierung. Gutes Storytelling ist gerade bei Unternehmen, die oft viele Stakeholder zu berücksichtigen haben eine echte Herausforderung. Viele Details, Erklärungen und Kommunikationswege machen dann nur Sinn, wenn man sie aus den Unternehmensstrukturen heraus betrachtet. Wenn es aber gelingt, entsteht sehr positiver und inspirierender Content.
 
SP: Du bist unglaublich energiegeladen, positiv und optimistisch - woher ziehst du deine Inspiration, was motiviert dich?
Maria: Zum einen bin ich einfach so – Begeisterung und Energie sind glücklicherweise da. Zum anderen bin ich auch sehr neugierig und Wissensgewinn motiviert mich enorm. Daher frage ich oft einfach und sobald ich Gründe und Ziele verstehe, bin ich fasziniert und an Bord. Da ich mich in dem Punkt durchschaue, mache ich mir diesen Mechanismus zu Nutzen und kann mich schnell und nachhaltig selbst motivieren. Ein weiterer Pluspunkt: Wenn man sich darum bemüht, etwas wirklich zu verstehen, fällt ein Perspektivwechsel einfach und es erscheinen Wege, die sonst vielleicht verschlossen blieben. Das erhöht die Erfolgsquote enorm, man bleibt flexibel und optimistisch. Dazu kommt noch, dass ich Konflikte in der Sache nicht scheue und gerne und mit viel Kraft für Themen kämpfe, von denen ich überzeugt bin. Gleichberechtigung und Vereinbarkeit sind zum Beispiel Themen für die ich beständig einstehe und versuche, sie voranzutreiben. Als Mutter von drei Töchtern habe ich da nicht nur unsere momentane gesellschaftliche Realität vor Augen, sondern ziehe viel Energie aus einer Zukunftsidee, die ich unseren Kindern wünsche.
 
SP: Was bedeutet Mut für dich persönlich?
Maria: Ich denke, dass es oft gar nicht wirklich Mut ist, den wir brauchen um einen Schritt zu gehen. Viel eher halten Angst und Vorbehalte uns zurück. Klingt ein bisschen wie ein Kalenderspruch, aber funktioniert für mich tatsächlich sehr gut. Denn etwas nicht zu machen, nur um Befürchtungen voreilig Recht zu geben, ist oft einfach nur sehr schade und hält von wertvollen neue Erfahrungen und Begegnungen ab. Auch das Vertrauen, dass man mit neuen Situationen zurecht kommt, flexibel ist und unter Umständen sehr viel mehr schafft, als man gedacht hätte, baut sich so nicht auf. Also ist Mut für mich, genau hinzuschauen, sich mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen und einzugestehen, dass, selbst bei super sorgfältiger Planung und detaillierter Betrachtung, in der Regel eh nicht alles so kommt, wie man denkt. Dann eine Entscheidung zu treffen – und egal, wie sie ausfällt, dazu zu stehen.
 
SP: Welche Erfahrung hat dich im Leben weitergebracht?
Maria: Um den Kreis der Fragen zu schließen: Beruflich war die Erfahrung für mich wichtig, dass mein Studium nur ein Startpunkt war – auch wenn ich es toll fand und mit Überzeugung dabei war, entwickelte sich mein Lebenslauf anders und ich bin sehr froh in dem, was ich tue jetzt auch Aspekte abzudecken, von denen ich mal dachte, ich hätte sie durch die Wahl meines Studiums ausgeschlossen.
 

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